Der Wetzlarer Kunstverein zeigt "Grafik und Skulptur" des Künstlers

Von Stephan Scholz

WETZLAR Gut, Markus Lüpertz ist nicht selbst in der Galerie des Kunstvereins im Alten Rathaus in der Hauser Gasse 17 gewesen. Aber seit Sonntag lässt der gebürtige Reichenberger dort eine Auswahl seiner Arbeiten für sich sprechen, und diese Kollektion unter dem Titel "Grafik und Skulptur" ist sehenswert. Als Erste nahmen sie am Sonntag die 40 Gäste der Vernissage in Augenschein, die vom Vorsitzenden Gert Heiland offiziell begrüßt wurden. Kunsthistorikerin Dr. Susanne Ließegang führte ein in die Schau, die noch bis zum 18. Dezember zu sehen ist. Bei den ausgestellten Arbeiten handelt es sich im Leihgaben der "Galerie am Dom" und der "Korff-Stiftung", die die Arbeiten für Kinderhilfsprojekte veräußert.

Insgesamt 18 Lüpertz-Arbeiten zeigt der Kunstverein, darunter drei Skulpturen, die für sich genommen schon bemerkenswert sind. Das Beispiel "Heinrich Mann und Ich - Henri IV" herausgegriffen. Auf den ersten Blick kommt die kleine Figur farbenfroh daher, doch wer genau hinschaut, kann erkennen, dass das massive Grundmaterial überall durchscheint. Im Endeffekt wirkt es so, als eröffne Lüpertz, der zu den Großen im gegenwärtigen deutschen Kunstbetrieb gehört, schon in der Oberflächengestaltung eine zweite Dimension, die ein Wechselspiel von Fassade und Grundstoff in Gang bringt. Die umgangssprachliche Wendung vom "Unter-die-Haut-Gehen" klingt an und lässt sich sicher auch interpretieren in Richtung des Leib-Seele-Zusammenhangs, was der moderate Abstraktionsgrad stützt. Aber das ist nur eine Lesart, und es ist ja gerade auch die Vielfalt der Zugänge zu Lüpertz Werk, die seinen besonderen Reiz ausmacht. Neben den Skulpturen sind vor allem Drucke in mittleren Formaten zu sehen, unter anderem aus der "Arkadien"-Reihe. Auch sie beeindrucken mit meist farbenfroher Tiefe und viel Vitalität.

Wer sich im Internet über den Künstler informieren wolle, der finde schnell viel Biografisches, wogegen Material zu seinem Werk schwieriger auszumachen sei. Dass gerade die Person Lüpertz vor den Arbeiten stehe, liege daran, dass "er zur damaligen Zeit sehr eigenwillig war und die Idee verfolgt hat, seinen eigenen Weg finden zu müssen", erklärte Ließegang. Seine Malerei sei im Unterschied zur Grafik sehr energiegeladen, trotzdem sei sie über die Grafiken sehr glücklich. An einigen Beispielen wie "Nach Rodin" oder "Hiob" erarbeitete die Kunsthistorikerin markante Charakteristika des Werkes, wobei sie besonders die Strichführung hervorhob. Erst sie bringe eigentlich das ins Bild, was Lüpertz sagen wollen, denn die Striche dienten auch dazu, einer Figur ihren körperlichen Aggregatzustand wie etwa Anspannung oder Energie einzuschreiben, so die Kunsthistorikerin, bevor Heiland die Ausstellung offiziell eröffnete. Zuvor überreichte Vorsitzender Boris Rupp von der "Wetzlarer Kulturgemeinschaft" einen Scheck, um die Vereinsarbeit zu unterstützen.

Wer die Eröffnung verpasst hat: Die Galerie des Kunstvereins im Alten Rathaus ist freitags von 16 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 14.30 Uhr und sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.