Wetzlar Roderich Helmer, Wolfgang Michaeli, Christian Sämann – drei Künstler, drei Stile, dreimal die Möglichkeit, sich mit unterschiedlichen Zeichnungen zu beschäftigen. Sonntag hat der Wetzlarer Kunstverein ihre Ausstellung „Zeichnung ³“ eröffnet.

Lange Zeit wurde die Zeichnung als künstlerisches Ausdrucksmittel zu Unrecht unterbewertet. Diese Ausstellung zeigt unter anderem, wie sich Künstler in der inzwischen eigenständigen Technik der Zeichnung unmittelbar äußern.

Vorsitzender Gert Heiland begrüßte rund 80 Vernissage-Gäste in der WKV-Galerie und ging in seiner Einführungsrede auf die Stile und Themen der Zeichner ein.

Zementsilosund botanischer Garten, aber Tänzerin der Bewegung festgehalten

Christian Sämann präsentiert in seinen Arbeiten Relikte unserer industriellen Vergangenheit: die inzwischen gesprengten Zementsilos in Niedergirmes. „Haben Sie sie vermisst?“, fragte Heiland in die Runde, wohl kaum. Indes: Nun, vor Sämanns Bildern, werde man doch etwas wehmütig. Denn sie zeigen uns Dinge, wie sie waren und wie sie (ver-)gingen. Daher seien diese Kunstwerke auch dokumentarisch, bannen Industrie- und Stadtgeschichte.

Etwas mit dem Vergehen von Architektur und Natur haben auch die Zeichnungen von Wolfgang Michaeli zu tun. Er hat sich daran gemacht, den alten botanischen Garten in Gießen zeichnerisch zu ergründen. Ein Abriss der Gebäude ist geplant. Michaeli hat sich nicht nur den architektonischen Teil des Gartens vorgenommen, sondern auch die Pflanzen selbst. In vielen verschiedenen zeichnerischen Techniken hat er dies umgesetzt. So erkenne man auf den Bildern Strukturen selbst da, wo man es nicht vermutet, in den Blättern.

Roderich Helmer wiederum zeichnet die Tänzer und Tänzerinnen der Tanzcompagnie, hält ihre Bewegung auf Papierrollen fest, was Schnelligkeit verlangt, denn das Motiv hält nicht still.

Auf einer dieser großen Zeichnungen von Roderich Helmer kann man sogar laufen und sie – ungewohnt und speziell – in der unmittelbaren Aufsicht betrachten. Im zweiten Raum ist eine lange Papierrolle mit den abgebildeten Tänzern ausgelegt. Darauf liegen durchsichtige Schutzplatten, so dass man bequem auf der Kunst laufen und die Körper betrachten kann. Nur zögerlich trauten sich die Besucher, über die Zeichnung zu laufen. Zu groß die Furcht, etwas zu beschädigen, und die Scheu, die Kunst mit Füßen zu treten.

Roderich Helmers Bilder halten fest, was sich in Raum und in der Zeit abspielt, verdichtet dies auf zwei Dimensionen und macht doch, wie erwähnt, die Kunst wieder räumlich erfahrbar, sagte Heiland. Sei es in der Draufsicht oder wie im ersten Raum der Galerie, wo zwei lange Papierrollen wandfüllend und von der Zugluft leicht bewegt hängen.

Fazit: Die drei Künstler belegen, dass die Zeichnung als Ausdrucksmittel spannend und interessant ist, weil die Reaktion auf das Motiv schnell, sofort und gerne vor Ort passiert, aber auch den Blick für Details wie für das Wesentliche verlangt. Und dies gelte es, mit Stift, Pinsel direkt als Umsetzung eines künstlerischen Ausdrucks aufs Papier zu bringen.

Die Ausstellung „Zeichnung ³“ ist noch bis zum 24. September in der Galerie des Wetzlarer Kunstvereins „Altes Rathaus“, Hauser Gasse 17, in Wetzlar zu sehen.

Öffnungszeiten: freitags 16 bis 18 Uhr, samstags 11 bis 14.30 Uhr und sonntags 13 bis 16 Uhr.

Markus Fritsch (WNZ)