Der Wetzlarer Kunstverein lädt für 1. Oktober 2017, 11 Uhr zur Vernissage der Ausstellung einer Ikone ein: Harald Naegeli. Der als Sprayer von Zürich bekannt gewordene Künstler ist für viele der Urvater der Street Art und des Graffiti. Er hatte aus Protest gegen das montone Stadtbild Ende der 1970er Jahre nachts seine illegalen Wandzeichnungen auf Gebäude und Plätze platziert, zeichnete und verbreitete Parolen und Figuren in ganz Zürich. Während die allgemeine Öffentlichkeit und die Behörden dies als Sachbeschädigung werteten, maßen Intellektuelle und Künstler den Zeichnungen schon damals einen künstlerischen Wert bei. Naegli musste für seine Kunst sogar ins Gefängnis. Heute gelten seine Strichmännchen als Kunst, ist der 77-Jährige ein international geachtete Künstler. Die schnellen Graffiti sind nur eine Seite des Künstlers Naegeli. Die archaisch anmutenden Strichmännchen sind für ihn eine „Rückbesinnung auf den Ursprung der Zeichnung“, auf die Höhlenbilder der Eiszeit-Jäger. Die Linie ist für ihn eine „Extase“ und „eine einmalige Dynamik der Bewegung“. Die andere Seite sind die mit feinster Tuschfeder gezeichneten "Wolkenbilder", an denen er jahrelang arbeitet, ohne sie je abzuschließen. Die "Urwolke" sei sein Versuch, sich der Unsterblichkeit zu nähern, sagte er einmal, und diese endlose Zeichnung ende erst mit seinem Tod. Naegli lebt in Düsseldorf.
Zweiter im Bunde ist der Fotograf Wolfgang Spiller. Er hat die verlorenen Zeichnungen Naegelis im öffentlichen Raum dokumentiert.