Der Wetzlarer Kunstverein hatte zum Kunstgespräch mit Dr. Susanne Ließegang in die Schnitzler´sche Buchhandlung eingeladen. Die Farbe Blau stand auf dem Programm. Zum Auftakt füllten blaue Töne die Buchhandlung. Das Video einer Gesangsimprovisation von Simone Rau zu einer Rauminstallation in der Ausstellung „Blaubeziehung“ von Nikolaus Koliusis im Duisburger Museum DKM  (bis 9.4.) ermöglichte den Besuchern einen sinnlichen Zugang zur räumlichen Dimension der Farbe. Denn im Rahmen eines Gespräches, das sich auf Reproduktionen von Kunstwerken bezieht, ist die Vermittlung von Farbeindrücken  besonders schwierig. Ihre Wirkung beruht auf der im Kunstwerk gestalteten Verbindung von Materialität und Licht.

Susanne Ließegang stellt drei Künstler vor, die mit der Farbe Blau auf die Wahrnehmung von Wirklichkeit einzuwirken versuchen.  Yves Klein, (1928 – 1962) suchte mit seinem patentierten YKB (Yves Klein Blue) eine Transzendierung  der erstarrten Welt. Angefangen bei den monochromen Bildern über die Körperabdrücke von Frauen bis hin zum Überziehen von realen Gegenständen mit der blauen Farbe erhoffte  sich Klein den Anstoß zu liefern, die Welt zu einem besseren zu wenden.

Von Nikolaus Koliusis (geb. 1953) wurde die Berliner Informations- und Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie Morde  vorgestellt. Mittels einer blauen Glaswand verwandelt sich hier der historische Platz T4 zu einem Ort, an dem das Gedenken als ein „Begegnung“ mit Opfern und Tätern zu einem Prozess wird, in dem die  Würdigung des Menschen im Mittelpunkt steht. Das Blau eröffnet hier einen Perspektivwechsel in der Sichtweise. In der Ausstellung  „DurchHaus“  im Uniklinikum Gießen (bis Juli) wird erkennbar, dass die vom Blau getragenen Perspektivwechsel zum Grundkonzept Koliusis gehören.

James Turell (geb. 1943), der Dritte im Bunde, nutzt Farben als ein Medium, das die Raumdimensionen radikal verändert. Seine Lichtinstallationen entgrenzen den Raum und lassen körperlich spürbar werden, dass menschliche Orientierung im Raum von Raumgrenzen abhängig ist. In Umkehrung erzeugen Turells Ganzfeld-Installationen einen dimensionslosen Raum, der so manchen schwindelig werden lässt. Ab 9.6. lädt das Burda Museum Baden-Baden zum Experimentieren mit dieser Raum-Erfahrung ein. Mit dem Hinweis auf den blauen Kreis, der 2017 von einer Jury im Rahmen der Frankfurter Schirn Ausstellung „peace“ zum neuen Peace-Logo gekürt wurde, unterstrich Ließegang den Anspruch, dass die gezeigten Werke auf die Veränderung von Wirklichkeit zielen.