Es ist politische Kunst, die die neue Ausstellung “Nach draussen” zeigt, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht vermutet. Bäume stehen im Mittelpunkt. Aber es sind keine idyllischen Baumportraits, die das Künstlerpaar Helge Hommes und Saxana Schoetschel gemalt hat, sondern expressionistische Bilder, die eine klare politische Botschaft transportieren. Es ist Kunst gegen die Abholzung uralter Wälder oder die Zerstörung ganzer Dörfer wie im Hambacher Forst, in Mannheim am Rande des Tagebaus Garzweiler und im Reinhardswald. Helge und Saxana wurden durch ihre Malaktionen im Hambacher Forst bekannt, einen politischen Duktus haben alle ausgestellten Ölgemälde und Kohlezeichnungen, die im Freien, draußen entstanden sind.

Sie verstehen ihre Malaktionen aus den Jahren 2017 bis 2019 als politischen Akt. Das Künstlerpaar malt als Teil einer politisch relevanten Aktion oder eines gesellschaftlich bedeutsamen Prozesses.

Wie kam es zu den Bäumen? Helge: „Die Sache ist ganz einfach. Wir sind in diese verrückte Welt geboren und man erkennt ,Oh weias‘. Irgendwo braucht man einen Halt und einen Halt gibt die Architektur. Wenn man die Architektur in der Natur entdeckt und man sich eine grundlegende Struktur aussucht, ist man sehr schnell bei den Bäumen. Der Baum im Gegenüber gibt eine wunderbare Person, die einem im Stillen Halt gibt, und dann beginnt eine sehr intensive Auseinandersetzung mit dem Gegenüber Baum.“

Die Künstler sehen sich als Aktivisten, die so zivilen Widerstandes leisten. Ihre Kunst ist ihr Weg, um Gleichgesinnte von der Notwendigkeit des Protestes gegen die Umweltzerstörung zu überzeugen.

Im Reinhardswald bei Kassel sollen für die Verbreiterung einer Straße für Windräder ebenfalls Rodungen erfolgen. Auch dort sind Helge und Saxana in den Wald „eingezogen“ und haben im Januar gemalt, einige Bilder sind zu sehen.

Über die Rodungen klärte Hermann-Josef Rapp, ehemaliger Forstbeamter, die Vernissagegäste auf. Nach seiner Pensionierung führt er immer noch Besucher durch den Reinhardswald, den er „das Schatzhaus“ der europäischen Wälder nannte. Gerade die alten Eichen seien das Aushängeschild des Waldes.

Man sei überrascht gewesen als die Maler auftauchten und bei Schnee und Regen malten. So seien die Medien auf die bevorstehenden Rodungen aufmerksam geworden. Durch Helge und Saxana erfuhr der Reinhardswald eine zusätzliche Wertschätzung.

Auch Filmregisseure kamen. Herbert Ostwald suchte für den Film „Der Baum der Bäume“ eine Eiche als Hauptdarsteller. Nach langem Suchen hat er sich für einen Baum entschieden, den man „Margarete“ nannte. Helge und Saxana malten große Ölbilder des Baums, der durch den Film an Popularität gewann. Und die Künstler sind auch in einem anderen Film zu sehen: Lukas Reiters Film „Hambi“ ist in der Rubrik „Das kleine Fernsehspiel“ der ZDF-Mediathek zu finden.

 Fotos Markus Fritsch