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Die Sommerpause in der Galerie nähert sich dem Ende. Die nächste Vernissage ist am Sonntag, dem 20. August. Beginn ist um 11 Uhr. Zu sehen sind Zeichnungen, und zwar von Roderich Helmer, Wolfgang Michaeli und Christian Sämann. Letzterer hat auch Erinnerungen an alte Bekannte dabei, die Zementtürme in Niedergirmes. 

Die Nacht der Galerien 2018 wirft ihre Schatten voraus. Gast in Kunstverein, Galerie am Dom, Stadthaus und im Stadtmuseum wird voraussichtlich der Schweizer Künstler Luciano Castelli sein. Er hat mit Elivra Bach, Salome und Rainer Fetting gearbeitet. Kürzlich war Castelli in Wetzlar und hat sich die Räume angeschaut, die kleinen, feinen des Kunstvereins fand er "super" und hatte auch schon Ideen, was er hier zeigen könnte. Wer mehr wissen will: http://www.lucianocastelli.com/

Der Wetzlarer Kunstverein trauert um Marion Vasil. Die Künstlersprecherin ist am Mittwoch plötzlich verstorben. Wir werden sie im Herzen bewahren.

Wetzlar Der Mensch ist in der Lage, vor einem Spiegel stehend, sein Ebenbild zu erkennen – spiegelverkehrt, auf sein momentanes Äußeres, seine Mimik beschränkt. Der Ist-Zustand. Das Spiegelbild ist längst keine Kopie des eigenen Ichs, sondern ein rein augenblickliches wie bereits „modifiziertes“ Eben-Bild eben. Wetzlar Der Mensch ist in der Lage, vor einem Spiegel stehend, sein Ebenbild zu erkennen – spiegelverkehrt, auf sein momentanes Äußeres, seine Mimik beschränkt. Der Ist-Zustand. Das Spiegelbild ist längst keine Kopie des eigenen Ichs, sondern ein rein augenblickliches wie bereits „modifiziertes“ Eben-Bild eben Wie vielschichtig das Thema „Ebenbilder“ ist, zeigen 16 Aktive des Wetzlarer Kunstvereins in ihrer Jahresausstellungen im Stadthaus am Dom. Sie wurde am Freitagabend zum Auftakt der „Nacht der Galerien“ vor rund 70 Besuchern eröffnet.

Insgesamt 30 Werke – Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Collage, Fotografie, Skulptur – zeugen von sehr individuellen Herangehensweisen an das Thema. Bereits in ihren einführenden Worten verwies Ulrike Sott (Kulturamt) darauf, dass dies schon allein die Bandbreite an Synonymen bedinge.
Ein klassischer künstlerischer Weg ist das Portrait von sich selbst oder von anderen. Doch Gestaltungs- und Ausdruckstiefe sind auch hier mannigfaltig: realistisches, verfremdetes oder abstraktes Abbild? Soll eine bestimmte Gemütsregung oder gleich ein tiefgründiges Seelenbild wiedergegeben werden?
Anne Held hat sich für Selbstportraits entschieden und fünf kleinformatige, aus Fotografie mit i-Painting gestaltete farbige Stimmungsbilder geschaffen. Mal Silhouetten, mal verschwommen schemenhaft, mal konturenhaft oder in der Dunkelheit verborgend, äußern sich Heiterkeit, Traurigkeit oder Nachdenklichkeit.
In ihrer Bleistift- und Bleipaste-Zeichnung „Gesichter eines Lebens“ hat hingegen Gabriele Hünninger zwar ebenfalls dem Portrait einer einzigen Person zugewandt, doch die Gruppe aus fünf verwobenen Köpfen spricht aus verschiedenen Lebensstationen heraus miteinander und zeugt von einer allmählichen äußerlichen Transformation – die Ähnlichkeit aber bleibt.

Und wer doch mal in den Spiegel schaut, erkennt vielleicht nicht nur sich selbst, sondern auch eine gewisse Ähnlichkeit des Haustiers mit Herrchen oder Frauchen. Dies scheint Holle Klein in einer comicartigen kleinformatigen Serie von Acrylbildern humorvoll in Szene zu setzen.
Apropos Spiegelung: Fotograf Lamar Dreuth wendet sich statt dem Menschen in seinem Werk „Schilf“ der Natur zu. Monochrom und sehr kontrastreich entwickelt, formt sich die Spiegelung des Gewächses sowohl im Wasser als auch auf vertikaler Achse zu einem kaleidoskopartigen, fast schon abstrakten Ebenbild-Geflecht. Auf Vervielfältigung, Gleichnis setzt Fotografenkollege Holger Daberkow: In seinen „Ebenbildern“ fügt er dem Motiv von in Reih und Glied drapierten Weingläsern ein weiteres hintenan, das eine Doppelung eines kleinen laufenden Mädchens zeigt – so, als wäre das genetische Clonen geglückt.
Wenn man den Menschen als Ebenbild Gottes verstehen will, dann dürfen auch Akte nicht fehlen: Roderich Helmer zeigt in seinem Triptychon „Einblicke“ ebensolche in sinnlicher, fragiler Natur mit feinem Strich.

Mann und Frau sind auch Thema der „Einzelgänger“-Tiefdrucke von Renate Mergehenn: Die Ebenbilder sind auf figürliche Silhouetten reduziert, „die wie Schablonen zusammengehören und sich dennoch getrennt im Nichts gegenüberstehen“, so Sott.
Ähnlich reduziert auf das Wesentliche kommt die einzige Skulptur der Ausstellung: Regina Schnerschs menschengroßes Gebilde aus schwedischem Labrador-Naturstein lässt eine schlanke, körperliche Gestalt erahnen – doch ob weiblich oder männlich, bleibt ungewiss.
Die aus Offenbach stammende und jüngst nach Marburg gezogene Bildhauerin ist das neueste Mitglied des Wetzlarer Kunstverein.

Zu den ausstellenden Künstlern zählen noch Renate Bechthold, Erich Biemer, Renate Brühl, Renate Donecker, Hans-Jürgen Hädicke, Ingrid Lütjens, Renate Mergehenn, Wolfgang Michaeli und Margret Uellenberg. Die Ausstellung kann noch bis zum 9. Juli besichtigt werden. Sie hat dienstags bis freitags von 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14.30 Uhr sowie sonntags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Eintritt frei.

Christian Lademann