Aktuelles

Von Klaus- J. Frahm

„Hans-Jürgen Hädicke macht es uns nicht so einfach, um nicht zu sagen, seine Zeichen und Symbole weigern sich mitunter,  uns ihren Sinn zu offenbaren“, sagte Gert Heiland. Der Vorsitzende des Wetzlarer Kunstvereins stellte in seiner Eröffnungsrede zur aktuellen Ausstellung in der Galerie des Vereins im Alten Rathaus einen Künstler vor, dessen Botschaften nur schwer zu greifen sind. „Zeichen“ nennt Hans- Jürgen Hädicke seine Ausstellung, zu deren Vernissage 50 Besucher in die Galerie des Kunstvereins kamen.

Die Wandarbeiten wirken auf den ersten Blick wie Schaukästchen und verlocken dazu hinein zu schauen und die Irritation zuzulassen. Büsten, Menschenköpfe oder auch verschlungene Bänder innerhalb der Kästchen stellen die Betrachter vor Rätsel.

Und die Tafelbilder? „Hädickes Zeichen sind lupenreine grafische Elemente, in einen neuen Kontext gesetzt“, so Heiland. Sie seien Interpretationen, Typografien, die sich anlehnten an bestehende Zeichen und Symbole, sie führten diese weiter oder von ihnen weg. Manche der Zeichen seien auch freie Entwicklungen des Künstlers. 

Die großformatigen Bilder, die Hädicke in seiner Werkreihe „Zeichen“ schafft, wirken wie Botschaften in geheimnisvoller Schrift. Der düstere Untergrund in Mischtechnik geschaffen, lässt ebenso Düsteres in den Botschaften erahnen, die Bilder bleiben die Erklärung aber schuldig.

„Es sind Interpretationen, sowohl typografischer, als auch symbolgrafischer oder frei entwickelter Zeichen“, schreibt Hädicke in dem Flyer zur Ausstellung. So seien nicht lesbare und es gelte nicht, sinnhafte Darstellung zu entdecken, es gehe nicht um eine Deutung, sondern um Wahrnehmung und Empfindung.

Die Ausstellung „Zeichen" ist bis zum 25. Juni in der Galerie des Wetzlarer Kunstvereins im Alten Rathaus, Hauser Gasse 17, Wetzlar zu sehen. Geöffnet ist freitags von 16 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 14:30 Uhr und sonntags von 13 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

Kunstgespräch mit Dr. Susanne Ließegang

Von Klaus Frahm

„Beuys geht immer, sagt Gert Heiland,und wie wir alle sehen, er hat Recht“, sagte Dr. Susanne Ließegang zu Beginn ihres Vortrags über den ebenso bedeutenden wie umstrittenen Künstler Joseph Beuys.
Zuvor hatte Heiland, Vorsitzender des Wetzlarer Kunstvereins, die Besucher in der Schnitzlerschen Buchhandlung begrüßt. In der Reihe „Kunst im Gespräch“ war der 1986 verstorbene Künstler Beuys bereits mehrfach Thema und stieß stets auf Interesse. Am Montagabend projizierte Susanne Ließegang eines der umstrittensten Kunstwerke Beuys’ auf die Leinwand. Den Fettstuhl, das Werk des Künstlers, das bis heute das meiste Unverständnis hervorriefe, könne man nicht verstehen, man könne sich nur darauf einlassen, so Ließegang. Und das scheine bis heute schwierig zu sein. Im Fettstuhl seien das Statische und das Bewegliche des Lebens vereint.
„Beuys sieht die Sprache als sein künstlerisches Material an“, so Ließegang. Es sei dem Künstler immer darum gegangen, anzustoßen und das gelinge ihm mit seinen Arbeiten bis heute. 1965 habe Beuys in einer Performance einen toten Hasen für Kunst erklärt. Der Künstler habe sein Gesicht mit Honig übergossen und mit Blattgold belegt und sei mit dem toten Tier auf dem Arm durch die Galerie gegangen. Das Publikum habe die Performance nur durchs Schaufenster sehen können und auch die Erklärungen der Bilder seien nicht zu hören gewesen.
„Beuys sagt, die Tiere müssen für uns leiden“, so Ließegang. Zum Hasen habe der Künstler ein besonderes Verhältnis gehabt, er sei für ihn so etwas wie sein Totemtier gewesen. 1974 habe Beuys in New York seine Performance „I like America and America likes me“ aufgeführt. Vier Tage habe er sich mit einem Koyoten eingesperrt, dem heiligen Tier der Indianer.
„Selbst im ?Gestein“
Anhand der Zeichnung „Selbst in Gestein“ erklärte Ließegang das fast mystische Verhältnis Beuys’ zur Natur. Das Gesicht im Steinbrocken stehe gegen das versteinerte Denken, das Beuys den Menschen vorwerfe. „Ich denke sowieso mit dem Knie“, habe Beuys einmal gesagt und sei dafür belächelt worden. Dabei könne man dies angesichts neuer neurologischer Erkenntnisse als visionär bezeichnen. Das Denken finde nicht im Gehirn statt, habe man herausgefunden. Dort werde das Denken nur verschaltet.

Ausstellung von Abi Shek

von Stephan Scholz

 

WETZLAR. Archaisch? Rudimentär? Abstrakt? Fest steht auf jeden Fall: Der Wetzlarer Kunstverein startet tierisch ins neue Ausstellungsjahr. Denn noch bis zum 2. April ist in der vereinseigenen Galerie im Alten Rathaus in der Hauser Gasse 17 die Ausstellung "Tierbilder" mit Holzschnitten und Zeichnungen von Abi Shek zu sehen. Zur Vernissage am Sonntag kamen rund 20 Gäste, die die Gelegenheit nutzten, mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen. In seiner Begrüßung kündigte Vorsitzender Gert Heiland an, dass der Verein in diesem Jahr statt sieben nur sechs Ausstellungen präsentieren werde. Dies habe mit der Kürzung der städtischen Zuschüsse zu tun.
Es ist ein seltsames Gefühl von Vertrautheit, dass sich beim Betreten der Ausstellung einstellt. Rein auf den ersten Blick erinnern die Formate in allen Größen an Bilder, wie man sie aus der Höhlenmalerei kennt. Denn Shek, der heute in Stuttgart lebt, zeichnet seine Tiere mit hohem Abstraktionsgrad, der seinen Sujets gerade die rudimentären Notwendigkeiten gibt, die sie als das jeweilige Tier wie Hasen, Elche oder Steinböcke identifizierbar machen. Überwiegend sind die Motive in einer oder zwei Farben gestaltet, farbenfrohen Naturalismus sucht man hier vergebens. Warum Vertrautheit? Zunächst resultiert sie natürlich aus der Nähe zur Höhlenmalerei, die aber nur wie eine Art Katalysator für tiefer liegende Inhaltsebenen funktioniert: Mit dem elementaren Charakter seiner Formensprache referiert der Künstler auf prototypische Vorstellungen von beispielsweise "dem Steinbock", wie sie massenpsychologisch gesellschaftlich kodiert sind. Durch die Konzentration auf das Wesentliche des Motivs wird quasi sein wesenhafter Kern sichtbar gemacht, was philosophisch schon eine Nähe zum Existenzialismus Sartrescher Prägung hat. Eine wesentliche Maxime dieser Denkrichtung ist ja, dass das Ding genau das ist, was es ist, nicht mehr und nicht weniger, und das alles weitere Zuschreibungen sind. Diese Philosophie auf Sheks Bilder angewandt lassen sie sich durchaus als Aufforderung deuten, im Leben genau hinzusehen und ein Bewusststein für die reine Existenz der Dinge - oder in diesem Fall Tiere - zu entwickeln, die in ihrem wesenhaften Kern von Zuschreibungen wie durch Ideologie unabhängig ist. Kurz, eine intelligente Ausstellung mit ansprechend gearbeiteten Werken.
Warum er gerade diese Form von Tierbildern gewählt habe, wollte Heiland von Shek im einführenden Künstlergespräch wissen. "Ich mag Tiere und bin mit Tieren aufgewachsen", antwortete der Gast. In seinen Bildern seien sie jedoch Mittel, um etwas über Menschen oder Gesellschaft zu sagen. Mit der gewählten Form habe er an eine uralte künstlerische Tradition anknüpfen wollen, in der Tiere immer wieder symbolisch für etwas anderes stehen, erläuterte Shek, bevor er den Gästen intensiv in Einzelgesprächen zur Verfügung stand. Wer die Vernissage verpasst hat: Die Ausstellung ist freitags von 16 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 14.30 Uhr und sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.  

 

 

 

Ein wenig Statistik zum Jahresende muss sein: Im Jahr 2016 hat der WKV in seiner Galerie 1783 Besucher gezählt. Wohlgemerkt, dies sind nur die Kunstinteressierten, die von der Aufsicht gezählt wurden oder die sich eingetragen haben. Eine schöne Zahl, die zeigt: Es gibt eine große Zielgruppe für diesen kleinen Verein. Ihnen allen einen guten Rutsch nach 2017!

Gert Heiland
(1. Vorsitzender)