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Ein paar Eindrücke von der Naegeli-Ausstellung am Sonntag. Ein entspannter und netter Künstler: Harald Naegeli kam am Samstag, um die gemeinsame Ausstellung mit dem Fotografen Wolfgang Spiller, der seine Arbeiten seit Jahren dokumentiert, vorzubereiten. Beide halfen auch bei der Hängung. Als kleine Stärkung teilte sich der 77-Jährige mit dem 1. Vorsitzenden Gert Heiland eine Tafel Schokolade, passend für einen Schweizer. Die Vernissage am Sonntag war ebenfalls erfolgreich, vor allem die starken Worte Naegelis als Schlusswort in einem Prozess in Zürich beeindruckten. Der WNZ gab Naegeli auch ein Interview (http://epaper.mittelhessen.de/eweb/zld/2017/10/04/111/16/6202680/?q=naegeli). Bei der Vernissage  stand der Künstler dann im Mittelpunkt des Interesses.  Fotos: W. Spiller/J. Czech

Der Wetzlarer Kunstverein lädt für 1. Oktober 2017, 11 Uhr zur Vernissage der Ausstellung einer Ikone ein: Harald Naegeli. Der als Sprayer von Zürich bekannt gewordene Künstler ist für viele der Urvater der Street Art und des Graffiti. Er hatte aus Protest gegen das montone Stadtbild Ende der 1970er Jahre nachts seine illegalen Wandzeichnungen auf Gebäude und Plätze platziert, zeichnete und verbreitete Parolen und Figuren in ganz Zürich. Während die allgemeine Öffentlichkeit und die Behörden dies als Sachbeschädigung werteten, maßen Intellektuelle und Künstler den Zeichnungen schon damals einen künstlerischen Wert bei. Naegli musste für seine Kunst sogar ins Gefängnis. Heute gelten seine Strichmännchen als Kunst, ist der 77-Jährige ein international geachtete Künstler. Die schnellen Graffiti sind nur eine Seite des Künstlers Naegeli. Die archaisch anmutenden Strichmännchen sind für ihn eine „Rückbesinnung auf den Ursprung der Zeichnung“, auf die Höhlenbilder der Eiszeit-Jäger. Die Linie ist für ihn eine „Extase“ und „eine einmalige Dynamik der Bewegung“. Die andere Seite sind die mit feinster Tuschfeder gezeichneten "Wolkenbilder", an denen er jahrelang arbeitet, ohne sie je abzuschließen. Die "Urwolke" sei sein Versuch, sich der Unsterblichkeit zu nähern, sagte er einmal, und diese endlose Zeichnung ende erst mit seinem Tod. Naegli lebt in Düsseldorf.
Zweiter im Bunde ist der Fotograf Wolfgang Spiller. Er hat die verlorenen Zeichnungen Naegelis im öffentlichen Raum dokumentiert.

Es war eine schöne Sache. Der Kunst-Grundkurs 12 der Goetheschule mit Natascha Hoefer hat die Galerie besucht. Kunstunterricht vor dem lebenden Objekt gewissermaßen. Zum Programm gehört auch das Zeichnen von Details in ausgewählten Arbeiten von Christian Sämann, Roderich Helmer und Wolfgang Michaeli. Es wurde still und konzentriert gearbeitet, und die Resultate können sich sehen lassen. Also, liebe Kunstlehrer im Lande, wer es Frau Hoefer gleich tun will: Bitte melden! 

 Der Kunstverein lädt zur nächsten Ausgabe seiner Reihe „Kunst im Gespräch“ ein. Diesmal geht es um Henri Matisse im Spannungsfeld zwischen westlichem und östlichem Bildverständnis. Die Leitung hat wieder Dr. Susanne Ließegang. Die Veranstaltung findet am Montag, dem 25. September, statt und beginnt um 19 Uhr in der Schnitzlerschen Buchhandlung. Anmeldung erforderlich unter (0 64 41) 4 51 01.

Wetzlar Roderich Helmer, Wolfgang Michaeli, Christian Sämann – drei Künstler, drei Stile, dreimal die Möglichkeit, sich mit unterschiedlichen Zeichnungen zu beschäftigen. Sonntag hat der Wetzlarer Kunstverein ihre Ausstellung „Zeichnung ³“ eröffnet.

Lange Zeit wurde die Zeichnung als künstlerisches Ausdrucksmittel zu Unrecht unterbewertet. Diese Ausstellung zeigt unter anderem, wie sich Künstler in der inzwischen eigenständigen Technik der Zeichnung unmittelbar äußern.

Vorsitzender Gert Heiland begrüßte rund 80 Vernissage-Gäste in der WKV-Galerie und ging in seiner Einführungsrede auf die Stile und Themen der Zeichner ein.

Zementsilosund botanischer Garten, aber Tänzerin der Bewegung festgehalten

Christian Sämann präsentiert in seinen Arbeiten Relikte unserer industriellen Vergangenheit: die inzwischen gesprengten Zementsilos in Niedergirmes. „Haben Sie sie vermisst?“, fragte Heiland in die Runde, wohl kaum. Indes: Nun, vor Sämanns Bildern, werde man doch etwas wehmütig. Denn sie zeigen uns Dinge, wie sie waren und wie sie (ver-)gingen. Daher seien diese Kunstwerke auch dokumentarisch, bannen Industrie- und Stadtgeschichte.

Etwas mit dem Vergehen von Architektur und Natur haben auch die Zeichnungen von Wolfgang Michaeli zu tun. Er hat sich daran gemacht, den alten botanischen Garten in Gießen zeichnerisch zu ergründen. Ein Abriss der Gebäude ist geplant. Michaeli hat sich nicht nur den architektonischen Teil des Gartens vorgenommen, sondern auch die Pflanzen selbst. In vielen verschiedenen zeichnerischen Techniken hat er dies umgesetzt. So erkenne man auf den Bildern Strukturen selbst da, wo man es nicht vermutet, in den Blättern.

Roderich Helmer wiederum zeichnet die Tänzer und Tänzerinnen der Tanzcompagnie, hält ihre Bewegung auf Papierrollen fest, was Schnelligkeit verlangt, denn das Motiv hält nicht still.

Auf einer dieser großen Zeichnungen von Roderich Helmer kann man sogar laufen und sie – ungewohnt und speziell – in der unmittelbaren Aufsicht betrachten. Im zweiten Raum ist eine lange Papierrolle mit den abgebildeten Tänzern ausgelegt. Darauf liegen durchsichtige Schutzplatten, so dass man bequem auf der Kunst laufen und die Körper betrachten kann. Nur zögerlich trauten sich die Besucher, über die Zeichnung zu laufen. Zu groß die Furcht, etwas zu beschädigen, und die Scheu, die Kunst mit Füßen zu treten.

Roderich Helmers Bilder halten fest, was sich in Raum und in der Zeit abspielt, verdichtet dies auf zwei Dimensionen und macht doch, wie erwähnt, die Kunst wieder räumlich erfahrbar, sagte Heiland. Sei es in der Draufsicht oder wie im ersten Raum der Galerie, wo zwei lange Papierrollen wandfüllend und von der Zugluft leicht bewegt hängen.

Fazit: Die drei Künstler belegen, dass die Zeichnung als Ausdrucksmittel spannend und interessant ist, weil die Reaktion auf das Motiv schnell, sofort und gerne vor Ort passiert, aber auch den Blick für Details wie für das Wesentliche verlangt. Und dies gelte es, mit Stift, Pinsel direkt als Umsetzung eines künstlerischen Ausdrucks aufs Papier zu bringen.

Die Ausstellung „Zeichnung ³“ ist noch bis zum 24. September in der Galerie des Wetzlarer Kunstvereins „Altes Rathaus“, Hauser Gasse 17, in Wetzlar zu sehen.

Öffnungszeiten: freitags 16 bis 18 Uhr, samstags 11 bis 14.30 Uhr und sonntags 13 bis 16 Uhr.

Markus Fritsch (WNZ)