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Wetzlar. Noch bis 2. September zeigt der WKV die Ausstellung "Bilder" von Deniz Kuranel. Hier einige Ausführungen des Vorsitzenden Gert Heiland zu den Arbeiten.

Ein Künstler, drei Räume, drei verschiedene Serien zum Thema Bilder. Drei Säulen, die diese Ausstellung von Deniz Kuranel tragen, mal gegenständliche Bilder, mal abstrakte, mal Bilder dazwischen. Vereinte Gegensätze, die eine ruhige Ausstellungsatmosphäre bieten.

Raum 1. Bilder im Sinne von Abbild. Der Raum atmet etwas Damaliges, sind diese Bilder wie die vergilbten Fotografien aus dem Album der Großeltern Erinnerungen? Von wem, an wen? Eine Geschichte lässt sich denken. Der Wald, ein Weg, der zu einem Blockhaus führt, darin diese Stuben, diese Möbel. Das Wohnzimmer vielleicht, der Wald, an dem sie wohnten und an dem ein Kind spielte, sich auch fürchtete? Ist es ein Zuhause, ein Museum oder gar nur eine Puppenstube? Wer weiß, aber ist es wichtig?

Der Wald, Heimat, die Räume Geborgenheit, Zuhause?

Bilder wecken Emotionen und auch wenn es nicht unsere Gedanken sind, so können wir sie – auch wenn es nicht so ist - anscheinend lesen, erkennen und fühlen, uns den eigenen Assoziationen im Fremden hingeben.

Assoziationen weckt auch Raum 2. Bilder, die nach Ölfarbe riechen, für mich das olfaktorische Synonym für Malerei. Rein abstrakte Bilder sind es, in denen es um das Rot geht. Genauer um Kadmiumrot. In mehreren Schichten sind diese Kraftakte entstanden, quasi im Dialog, Deniz setzt eine Farbe, das Bild antwortet, im gleichen Sinne, wie wir einen Text schreiben, umformulieren, ergänzen, ändern, so lange bis das Bild stimmt. So hat sich im Dialog etwas entwickelt, Bilder, in denen es eben um das Rot gehen soll, sagt Deniz.

Aber ein Rot, das nicht so dominant ist, dass einen weder aufsaugt noch abstößt, nein, eines, dem man sich nähern kann und möchte, ein Rot, das gemildert wird durch andere reine Farben, Pigmente, Blau, Schwarz Reine Abstraktion, ja, aber eine, die ebenfalls viele Assoziationen zulässt: Blut, Herz, Krieg, Gewalt - und Liebe. Welch eine ambivalente und auf- bis anregende Farbe.

Raum 3. E lässt uns wieder ruhiger werden. Bilder zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion sind es hier. Ja auch hier kommen die Assoziationen schnell: Horizont, Meer, Küste, Landschaft. Querstreifen reichen aus und schon meinen wir zu erkennen, zu sehen.

Indes: Wir sehen nicht, dass diesen Arbeiten realistische gemalte Landschaftsgemälde zugrundeliegen. In der Tat, Deniz malte Landschaften, wie man sie aus dem Urlaub an der Küste mitbringen würde, und hat sie übermalt, vernichtet. Ich hatte mit dem Landschaftsbild einen Gegenspieler um mich damit auseinanderzusetzen. Ihn interessierte, was es mit den dunklen und hellen Streifen auf sich hat, was sie zulassen, wie weit man gehen kann, bis sich diese Idee selbstständig macht und weiterentwickelt, und zwar so lange, bis das neue Bild eine echte Stimmigkeit erreicht war. 

Ein Künstler, viele Bilder und noch mehr eigene Gedankenreisen.

Die Nacht der Galerien war wieder ein Erfolg.  Und Anteil daran hatte  die Jahresausstellung des WKV im Kulturhaus. 13 Künstlerinnen und Künstler haben sich des Themas "Perspektivwechsel" angenommen. Anbei ein paar Bildbeispiel aus der Ausstellung. Zu sehen bis 5. August.

Nachdem die stadtweite Präsentation von und mit Luciano Castelli um ein Jahr verschoben wurde, sind seit Freitagabend nun ausgewählte Arbeiten der Gruppe „Zero“ zu sehen. „Zero“, 1958 gegründet, ist längst bundesdeutsche Kunstgeschichte. Denn die drei Künstler Otto Piene, Günther Uecker und Heinz Mack wollten mit ihrer Arbeit einen Neuanfang im Nachkriegsdeutschland propagieren, für eine „Stunde Null“ kämpfen, für eine unbelastete und „reine“ Kunst als Gegenpol zur jüngeren Vergangenheit mit dem Zweiten Weltkrieg. Zuerst waren sie nur zu zweit: Otto Piene,  Wegbereiter der Licht- und Feuerkunst gilt, und  Heinz Mack. Der  Lollarer hatte sich schon früh durch experimentelle Lichtreliefs sowie Lichtinstallationen einen Namen gemacht. Inzwischen sind es vor allem seine farbstarken und ungemein ästhetischen Druckgrafiken, die bei den Kunstfreunden immer wieder für Furore sorgen; so zu erleben auch am Freitagabend bei der Eröffnung im Alten Rathaus. 1961 stieß Günther Uecker dazu, seine  reliefartige Bilder und Objekte aus und mit Nägeln machten ihn sind berühmt. Von allen drei Künstlern sind im Kunstverein auch dank der Zusammenarbeit mit der Galerie am Dom nun markante Beispiele für das Schaffen der Gruppe „Zero“ zu finden.
 

Harald Naegeli, der Sprayer von Zürich, hat vergangenes Jahr im Wetzlarer Kunstverein ausgestellt. Die Vernissage fand im Oktober statt, wenige Tage vor einem erneuten Prozess gegen den Künstler in Zürich. Naegeli nutzte die Vernissage und verlas seine Verteidigungsrede (Video auf facebook). Tage später drängte das Gericht darauf, dass sich beide Seiten einigen. Kürzlich wurde der Schlusspunkt gesetzt: Harald Naegeli schenkte der Stadt Zürich eines seiner Bilder. Damit galt die Schadenersatzforderung von 9000 Franken als getilgt und das Verfahren wegen Sachbeschädigung war erledigt.

Die lange Nacht der Galerien und Museen steht wieder an, und zwar am 8. Juni. Start ist wie immer mit der Jahresausstellung  des Kunstvereins, sie wird um 18 Uhr im Kulturhaus eröffnet. In der WKV-Galerie sidn dann ab 19 Uhr Arbeiten der Gruppe "Zero" zu bewundern, etwa diese von Otto Piene. Im Verlauf des Abends bis 24 Uhr laden dann noch9 weitere Stationen zum Besuch ein, und das alles bei freiem Eintritt.